Warum das Hilfsmittelverbot aus der Zeit gefallen ist
Das pauschale Verbot von Hilfsmitteln in Prüfungen stammt aus einer schulischen Prüfungslogik, die in der Erwachsenenbildung weder der Realität noch den tatsächlichen Lernstärken gerecht wird. Wer sich gründlich vorbereitet und Materialien sinnvoll strukturiert, wird bestraft – statt für praxisnahe Arbeitsweise belohnt zu werden.
Im Berufsleben greift schließlich jeder zu Bedingungswerken, Tabellen oder Normen.
In der Erwachsenenbildung regiert noch immer das Hilfsmittelverbot wie ein Relikt aus der Steinzeit: Alles muss im Kopf sein, sonst fliegt man raus, bevorzugt Auswendiglernen vor systematischer Ordnung.
Realitätsferne und künstlicher Stress
Stellen Sie sich vor: Ein Sachverständiger vor Gericht, der VVG-Nuancen auswendig runterbetet, statt im Bedingungswerk nachzuschlagen. Lächerlich! Im echten Versicherungsalltag greift jeder zu Tabellen, Normen oder dem treuen Laptop – niemand ist wandelndes Lexikon. MC-Prüfungen ohne Hilfen simulieren das null: Sie testen Tempo und Ratespiel, nicht Kompetenz.
Kein Sachverständiger hält alle Feinheiten des VVG oder sämtliche DIN-Normen im Kopf. Die Fähigkeit, relevante Informationen schnell nachzuschlagen, bildet die echte Gutachtenpraxis weit besser ab als auswendig gelerntes Detailwissen. Ein Hilfsmittelverbot ignoriert diese Realität. Es erzeugt unnötigen Stress – besonders in Multiple-Choice-Formaten, in denen Prüfungsdruck und Tempo häufiger über das Ergebnis entscheiden als fachliches Verständnis.
Fehlannahmen und neue Risiken
Das Verbot flüstert: „Du musst alles parat haben!“ Ergebnis? Teilnehmer scheuen knifflige Fälle, weil sie denken, Unwissen sei Schande. Fehlentscheidungen lauern – und KI? Sie schleicht sich eh
rein, täuscht Fake-Know-how vor. Offene Hilfsmittel machen’s ehrlich: Wer Ressourcen meistert, gewinnt.
Solche Verbote nähren die Illusion, man müsse Fachwissen jederzeit vollständig abrufbar haben. Das führt in der beruflichen Praxis eher zu Fehlurteilen als zu guter Arbeit. Sinnvoller wäre es,
wenn Teilnehmende lernen, Ressourcen effizient und gezielt zu nutzen.
Ein weiterer Aspekt: KI-Systeme wirken wie unsichtbare Hilfsmittel, die vermeintliche Kompetenz simulieren, ohne echte Urteilsfähigkeit zu vermitteln. Offene Hilfsmittel schaffen hier Transparenz
und Ehrlichkeit: Sie machen sichtbar, wer tatsächlich Zusammenhänge versteht – und wer sich auf automatisierte Antworten verlässt.
58,3 % reichen nicht: KI im Härtetest
Wir haben einen kleinen Praxistest durchgeführt und eine relativ einfache Prüfungsfrage 3 KI-Anwendungen vorgelegt:
Das ist eine MC-Frage mit 4 möglichen Antworten, alle können richtig oder falsch sein, wie ist dein Ergebnis:
- VR 1 - Der Versicherungswert nach § 88 VVG ...
Die KIs holten 4, 0 und 3 Punkte – insgesamt 7 von 12 möglichen (58,3%). Fürs Bestehen braucht es 70% – somit durchgefallen.
Einzeln betrachtet hätten zwei bestanden, einer wäre durchgefallen.
Ein Plädoyer für moderne Prüfungsformate
Die Erwachsenenbildung braucht flexiblere, realitätsnahe Regeln. Offene Bücher und Materialien gehören in Anwendungsklausuren, während Verbote höchstens dort sinnvoll sind, wo grundlegendes Basiswissen abgefragt wird. So fördern Prüfungen echte Handlungskompetenz – statt die Illusion allwissender Köpfe zu reproduzieren.

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Dr. Peter Meier (Sonntag, 18 Januar 2026 14:42)
Guter Beitrag! Das ist Wissenschaft! Das ist Diskurs!
Mit einem Experiment (EVIDENZ) eine (ein)-gängige Meinung (THESE) widerlegt.
Mit der KI - künstliche Intelligenz - im Reich der oder des Toten (ALGORITHMUS) ist es wie mit der NI - natürliche Intelligenz - im Reich der Lebenden (MENSCHEN): Du fragst einen, der sich damit auskennt. Er weiß es oder er weis es nicht. Die KI weiß auch nicht alles.
In diesem Thema müssen wir mit unsere NI oder unserer ND - natürliche Dummheit - weitermachen.
pm
Dr. Peter Meier (Sonntag, 18 Januar 2026 16:37)
In meinem obigen Kommentar habe ich Rechtschreibfehler bewusst eingebaut, um zu beweisen, dass der Kommentar nicht algorithmusischer ??? algorithmischer !!! KI Herkunft ist sondern menschlicher NI + ND Herkunft. Ach so, das ist kein Beweis, weil KI auch rechtschreibfehlerhaft sein kann (warum auch immer !)? Na dann: Nach der KI ist vor der KI !
Dr. Peter Meier (Sonntag, 18 Januar 2026 17:00)
Noch eine Anmerkung zum seriösen Umgang mit KI:
KI schafft Wissen aus Informationen aus verschiedenen Quellen, indem es diese Informationen nach bestimmten Kriterien ( ... die interessante Frage lautet: „welche“ ... sucht, findet, bewertet und verknüpft (oder integriert) und sprachlich formuliert.
* Das tun verschiedene KI Applikationen verschieden (sh. diese Kolumne).
* Eine bestimmte KI Applikation kann, da sie „lernt“, bei derselben Frage vier Wochen später eine andere Antwort geben.
* Eine KI Antwort hängt hochsensibel von der Fragestellung ab.
Ist das nicht alles höchst menschlich? Ich frage ja nur!
Damit haben wir auch ein Problem mit dem Zitieren von KI-Antworten. Das Zitieren aus Medien ohne KI (Bücher, Zeitschriften, statische / dauerhafte Daten / Infirmationen im Netztusw.) ist mehr oder weniger klar geregelt. Das Zitieren von KI Antworten ist weniger oder gar nicht geregelt. Der klassische Spruch „Was schert mich mein Geschwätz von gestern !“ ist wohl für die KI zutreffend!
Norbert Reimann (Montag, 19 Januar 2026 07:18)
KI kein Zeuge
Lieber Dr. Meier,
Vielen Dank für die Anregungen, die ich gerne aufgreife.
Korrekte Zitation schuldet nicht nur dem Respekt gegenüber den Erstautoren, deren Gedanken bereits formuliert wurden, sondern macht diese auch zu überprüfbaren Zeugen der eigenen Argumentation.
Bei KI-generierten Aussagen scheitert dies grundlegend: Sie sind weder öffentlich zugänglich noch reproduzierbar, da identische Eingabeaufforderungen oft unterschiedliche Ergebnisse liefern und kein zentraler Fundus aller Interaktionen existiert.
Zudem spricht eine solche „Zeugenrolle“ der Kernwerbung aktueller KI-Systeme mit ihrer Betonung der Vertraulichkeit individueller Nutzerdaten.
Mit freundlichen Grüßen
NR
Dr. Peter Meier (Montag, 19 Januar 2026 10:35)
Es widerspricht der beim wissenschaftlichen Arbeiten geforderten Transparenz, nicht zu berichten, wie eine EVIDENZ geschaffen wird. Eine EVIDENZ wird - wie auch in diesem Falle - oft durch ein oder mehrere Experimente geschaffen, die nach Input, Methoden, Output und Datum = Wissenstand der KI (wichtig !!!) bestimmt sind und die veröffentlicht werden müssen ! Eine Vertraulichkeit über diese vier Elemente eines Experiments / eines Projekts widerspricht der wissenschaftlichen Arbeitsweise. Ein zweiter Wissenschaftler muss in die Lage versetzt werden, mit den beschriebenen Elementen zur Schaffung der EVIDENZ die Experimente zu wiederholen, und das Ergebnis zu bestätigen. Dafür braucht es die o. a. volle Information. In meinem Vertrauen und aus meiner Kenntnis Ihrer Arbeitsweise, lieber Herr Reimann, habe ich Ihre Darstellung mit „Wissenschaft“ etikettiert. Es ist klar, daß eine vollständige Dokumentation Ihrer Experimente den Rahmen dieses Formats einer Kolumne weit überschreitet. Ich halte mit diesem Hintergrund Ihr Ergebnis nach wie vor als „wissenschaftlich“. Es gibt eine ziemlich klare Einsicht in Stärken und vor allem in Schwächen der KI. Darauf will ich mit meinen Kommentaren hinweisen. Nochmals: Ich halte Ihren Beitrag für ausserordentlich wichtig für das Verständnis „Was kann die KI ? Was kann die KI nicht ???“. Ich halte es für wichtig, sich weiter mit diesem Problem auseinander zu setzen.
pm